IN DER ZUKUNFT LEBEN
Die Prägung der Stadt durch den Nachkriegsstädtebau
Eine Ausstellung des Bundes Deutscher Architekten BDA
11.09. – 15.11.2009
ERÖFFNUNG 10.09.2009, 18.00 Uhr
Es sprechen:
Dr. Ulrich Hatzfeld, Leiter der Unterabteilung Stadtentwicklung im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Michael Frielinghaus, Präsident BDA
STADTPORTRÄTS der Ausstellungsautoren:
Silke Steets / Darmstadt-Rheinstraße
Friederike Meyer / Dresden-Prager Straße
Jan Wenzel / Halle-Neustadt
Florian Heilmeyer / Bremen-Neue Vahr
Anne König / Suhl im Thüringer Wald
David Kasparek / Friedrichshafen am Bodensee
Moderation: Kai Vöckler, Kurator
Städte sind immer im Wandel begriffen, sie repräsentieren in ihren urbanen Strukturen unterschiedliche Zeitschichten. Die Ausstellung IN DER ZUKUNFT LEBEN porträtiert exemplarisch sechs Stadtsituationen, die charakteristisch für den Nachkriegsstädtebau in Ost und West sind, von deren ursprünglichen Planung bis heute.
Jede Stadt besitzt – trotz ständiger Veränderung und der vermeintlichen Ähnlichkeit zu anderen Städten – etwas Unverwechselbares, Typisches oder Einmaliges. Diese Besonderheit einer Stadt entsteht durch die Collage von Gebäuden, Plätzen und Straßen aus verschiedenen Epochen und deren politischen, sozialen und ästhetischen Normen. Der moderne Städtebau der 1950er bis 1970er Jahre hat viele deutsche Städte entscheidend geprägt: Etwa 50 Prozent des Baubestands ist nach 1945 errichtet. Obwohl die Bauten der Nachkriegsmoderne heute aus dem städtischen Gefüge kaum wegzudenken sind, stehen sie in der Kritik. Der anhaltende Verlust wertvoller Bauten aus dieser Zeit führt zu der Frage, welchen Anteil diese Architektur für die kulturelle Identität der Stadtgesellschaft hat.
Die Moderne
Zu Beginn des letzten Jahrhunderts sollte ein neues Zeitalter des Wohnens und Arbeitens allen Schichten der Bevölkerung menschenwürdige Lebensverhältnisse sichern. Licht, Luft, Sonne waren die Grundmotive der Moderne. Die hygienische, grüne und verkehrsgerechte Stadt prägte als Idealvorstellung vom urbanen Lebensraum auch den Wiederaufbau der deutschen Städte nach dem Zweiten Weltkrieg. Durch den dringenden Bedarf an neuen Wohnungen boten die Nachkriegsjahre Gelegenheit und Chance zur weitgreifenden Umsetzung moderner Architekturprinzipien. Europaweit entstanden in unterschiedlichen politischen Systemen Bauwerke und Stadtteile in ähnlichen elementaren Formen, die mit neuen Materialien und Konstruktionsmethoden gebaut wurden und dem damaligen Anspruch auf Effizienz und Reproduzierbarkeit entsprachen. Die neu entstandenen Gebäude waren Ausdruck einer verheißungsvollen Zukunft.
Die spezifischen Qualitäten der Nachkriegsarchitektur lassen sich noch heute entdecken. Für zukünftige sinnvolle Nutzungen sind jedoch eine unvoreingenommene Bewertung und die Berücksichtigung der sich ändernden gesellschaftlichen Bedürfnisse erforderlich. Klimawandel, drohende Ressourcenknappheit, der demographische Umbruch unserer Gesellschaft und Migrationseffekte stellen uns vor neue Herausforderungen.
Ausstellung
IN DER ZUKUNFT LEBEN zeigt die aktuelle Wahrnehmung von Gebäuden und städtebaulichen Ensembles der Nachkriegszeit. Die Ausstellung stellt exemplarisch den Umgang mit städtebaulichen Konzepten der 1950er bis 1970er Jahre dar. Sechs Stadtporträts präsentieren urbane Situationen, die beispielhaft für die architektonischen und städtebaulichen Prinzipien in Ost- und Westdeutschland stehen, aber auch das Besondere der jeweiligen Orte zeigen. Bilddokumente, Interviews und Filme eröffnen einen Blick auf die ursprüngliche Planung sowie die Veränderungen bis heute und zeichnen die kulturelle Identität dieser städtischen Räume nach.
Vorgestellt werden die Rheinstraße in Darmstadt und die Prager Straße in Dresden, die als innerstädtische Achsen die Stadtentwicklung prägen, die Großsiedlungsbauten in Halle-Neustadt und Bremen-Neue Vahr sowie Suhl im Thüringer Wald und Friedrichshafen am Bodensee als Beispiele für die Nachkriegsarchitektur in mittelgroßen Städten.
Die Autoren der sechs Porträts gehören der jungen Generation von Architekten, Architekturkritikern, Journalisten, Soziologen und Künstlern an. Ihre Betrachtungen der jeweiligen urbanen Situation schärfen die Sicht für die Probleme und Perspektiven, für die Widersprüche und selbstverständlichkeiten in der Stadtentwicklung der Nachkriegszeit.
Mit IN DER ZUKUNFT LEBEN und dem begleitenden Symposium IDEAL WEITERBAUEN! setzt der Bund Deutscher Architekten BDA sich für eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Bestehenden ein. Die Ausstellung im DAZ präsentiert die Lebendigkeit und Aktualität der Nachkriegsmoderne und die Selbstverständlichkeit, mit der sie Teil der Stadtgeschichte geworden ist.
Katalog
Zur Ausstellung erscheint der Katalog „IN DER ZUKUNFT LEBEN! Die Prägung der Stadt durch den Nachkriegsstädtebau“ mit Beiträgen von Martha Doehler-Behzadi, Andreas Denk, Kai Vöckler sowie den Stadtporträts von Florian Heilmeyer, David Kasparek, Anne König, Friederike Meyer, Silke Steets, Jan Wenzel mit Fotos von Felix-Sören Meyer. Herausgeben für den Bund Deutscher Architekten BDA von Kai Vöckler. 176 Seiten, inkl. 96 Farbseiten, Nicolaische Verlagsbuchhandlung GmbH, Berlin, 19,80 EUR, ISBN 978-3-89479-567-2.
IN DER ZUKUNFT LEBEN ist eine Ausstellung des Bundes Deutscher Architekten BDA und steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministers für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Wolfgang Tiefensee. Sie wird gefördert vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Kurator der Ausstellung ist Kai Vöckler.
Fotos: Felix-Sören Meyer
1_Darmstadt, Rheinstraße
2_Dresden, Prager Straße
3_Bremen-Neue Vahr
4_Halle-Neustadt
5_Suhl im Thüringer Wald
6_Friedrichshafen am Bodensee

