BECOMING ISTANBUL



Ausstellung im DAZ Taut Saal
16.Mai - 30.Juni 2009
Diese Ausstellung erklärt Istanbul nicht. Sie gibt keinen Überblick über Istanbuls Geschichte, über das stets lebendiger und produktiver werdende, modern architektonische Umfeld, über die komplizierte gesellschaftliche und ökonomische Struktur und erklärt auch nicht, wie und warum Istanbul zum Zentrum einer beispiellos reichhaltigen Popkultur wurde. Die Ausstellung hat vielmehr das Ziel, die heutige Stadt abzubilden.
Mittelpunkt der Präsentation ist eine interaktive audiovisuelle Datenbank, die der 16 -minütige Film ‚Mapping Istanbul‘ mit einer Sammlung von Karten ergänzt. Beides sind Versuche Istanbul aus vielfältiger Perspektive und frei von den gängigen Klischees zu betrachten. Anstatt diesen neue Stereotypen entgegenzusetzen formt die Datenbank ihre eigenen Strukturen, indem sie die traditionellen Vorurteile instrumentalisiert. Als zentrales Medium der Ausstellung beinhaltet sie Projekte von über fünfzig Künstlern, Architekten, Fotografen, Zeichnern und Autoren. Der Besucher erhält Zugang zu zahlreichen Arbeiten, die innerhalb der letzten zehn Jahre entstanden sind, und kann so ein Gespür für die Gegebenheiten und Akteure des heutigen Istanbuls entwickeln. Die Datenbank präsentiert 408 Bildgruppen mit über 7000 Abbildungen, die 80 Themenbereichen zugeordnet sind. Die Kartografien im Film ‚Mapping Istanbul‘ formen – gerade zu einem Zeitpunkt, an dem sich das klassische Istanbul - Bild wandelt – eine wichtige Grundlage um die Stadt und die zeitgenössische Blickweise der Ausstellung besser zu verstehen.
Istanbul werden
Istanbul hieß nicht immer Istanbul. Die Stadt am Bosporus, heute überall auf der Welt als Istanbul bekannt, wurde noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgrund verschiedener politischer, kultureller und nationalistischer Motive mit unterschiedlichen Namen benannt. So trug sie auch schon die Namen Byzantion, Konstantinopel, den schlichten Namen Polis in der Mitte der byzantinischen Periode, Kostantiniyye, Islambol sowie Dersaadet in der Ottomanischen Zeit. Jede Änderung ging mit einem radikalen Wandel des öffentlichen Raums und seiner sozialen Bedeutung einher. Ab Beginn des 19. Jahrhunderts verliert Istanbul allmählich den traditionellen Kosmopolitismus des östlichen Mittelmeerraums und eine neue Form der Weltoffenheit etabliert sich. Die feststehenden Hierarchien kollidieren stets mehr mit dynamischen Strukturen, die sich aus zahllosen Parametern wie Individualität, Präferenzen, Ausdrucksformen, Interessen, Gruppierungen und Abspaltungen formten. Die Stadt machte sich den Pluralismus einer Metropole zu Eigen und wurde zu einer Umgebung „spontaner Freiheit“. Dieses Charakteristikum der Stadt tritt mit der Zeit immer stärker zutage. Erstaunlich ist, dass die moderne Metropole sich auf den einen, heutigen Namen festlegen konnte und sich zugleich stets mehr pluralistischen Ausdruckformen öffnete. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen beginnt sich Istanbul als einziger Name durchzusetzen. Vor allem in der Phase der Homogenisierung, die in den 1920er Jahren begann, aber auch den 1980er Jahren, in der die Stadt pluralistisch und kosmopolitisch wurde, gerieten viele der alten Namen in Vergessenheit. Unter den gebräuchlichen Namen hat sich Istanbul durchgesetzt, da er am wenigsten Assoziationen mit einer spezifischen Politik, Religion und Ethnie hervorruft. Die Ausstellung greift auf, wie die Bewohner auf die Pluralismus, Vielfalt und steigende Komplexität, die nun zu den bestimmenden Charakteristika der Stadt zählen, reagieren: Sie zeigt deren Zweifel, Unruhe und Sorgen.
BECOMING ISTANBUL ist ein Projekt der Garanti Gallery, das für das Deutsche Architekturmuseum (DAM Frankfurt) entwickelt wurde und kuratiert ist von Pelin Dervis, Bülent Tanju und Ugur Tanyeli. Die Ausstellung im DAZ wird gefördert von der Alfred Herrhausen Gesellschaft der Deutschen Bank. Sie erfolgt im Rahmen des 20-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft Berlin-Istanbul und steht unter der Schirmherrschaft der Bürgermeisterin von Berlin und Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer.
Mehr Informationen zu
Alfred Herrhausen Gesellschaft
